Adipositas: Krank durch Ausgrenzung

Die Gesundheit von stark übergewichtigen Menschen hängt auch davon ab, wie sie von ihrem Umfeld behandelt werden. Fühlen sie sich dauerhaft diskriminiert, werden sie eher krank und unbeweglich als sozial akzeptierte Menschen, berichten US-amerikanische Forscher in der Zeitschrift „Social Psychology Quarterly“. „Adipöse internalisieren oft das Stigma, dem sie ausgesetzt sind. Der dadurch empfundene Stress begünstigt andere Krankheiten“, so Studienleiter Markus Schafer von der Purdue University

„Ein plausibles Ergebnis“, urteilt Umweltsoziologe Michael Zwick von der Universität Stuttgart. Übergewicht sei bereits für sich eine Form von sozialer Beschädigung, da es in vielen Fällen auf Konflikte oder Vernachlässigung in der Familie zurückgeht . „Wer zusätzlich ständig Diskriminierung von außen erlebt, neigt noch eher zum Frustessen. Statt Gegenmaßnahmen zu treffen, wirft er jede Stopp-Regel über Bord.“ Die weitere Gewichtszunahme erhöhe das Krankheitsrisiko. Außerdem verhindere Diskriminierung auch körperliche Aktivität. „Sport braucht bei stark Übergewichtigen viel soziale Unterstützung durch Familie, Freunde, Selbsthilfegruppen oder Sportclubs. Wer diese nicht hat, schafft es kaum, sich in Sport- oder Badebekleidung zusätzlich zu exponieren.“ Als Alternative greifen viele zu Diäten, die laut Zwick das Dicksein jedoch eher verstärken als zu reduzieren. „Kinder sind umso dicker, je mehr Diäten sie hinter sich haben. Denn der notwendige Ausstieg aus dem dick machenden Umfeld und dem lange eingeübten Verhalten gelingt kaum.“

http://gratiszeitung.org/2011/03/07/adipositaskrank-durch-ausgrenzung/

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